Die Forderung

Ausgehend von einer Unterschriftensammlung, bei der sich über 820 Menschen für eine drastische Veränderung im Verkehrsbild und Straßenraum des Viertels ausgesprochen haben, drängt die Initiative Gärtnerplatz Fußgängerzone darauf, aus dem Gärtnerplatzviertel ein Pilotprojekt für zukunftsfähige Mobilität und Stadtentwicklung zu machen.
Dies bedeutet konkret folgende Forderungen* die schrittweise umgestzt werden sollen:

#1 Schritt: Eine Gesamtherabstufung der Geschwindigkeit für den motorisierten Verkehr auf Schrittgeschwindigkeit (10km/h) sowie einer Kontrolle der Einhaltung (->Anbringen von Fahrbahnschwellen).

#2 Schritt: Das gesamte Viertel ist nur noch für PKWs von Anwohnern und Menschen die im Viertel arbeiten zugänglich, (mit Ausnahme der direkten Zufahrt zu Parkgaragen für Besucher) sowie Lieferverkehr, Handwerker, Müllabfuhr und Rettungsdienste (-> Anbringen von versenkbaren Sperrpfosten an allen Straßen die direkt zum Gärtnerplatz führen).

#3 Schritt: Angebot von Nachbarschafts-Car-Sharing an konzentrierten Stellen im Viertel schaffen. Kurzzeitparkplätze für Anwohner und Lieferverkehr bereitstellen.

#4 Schritt: Eine dauerhafte Reduzierung der privaten Parkflächen von ca. 600 auf 200 zugunsten von Fahrrad/-Lastenradstellplätzen, Grünflächen, Aufenthalts/-Spielflächen. Parkplätze vor Cafes mit Sitzflächen werden direkt als Bürgersteig bzw. Parklets erweitert.

#5 Schritt: Die Verbindung zwischen Viktualienmarkt und Isar über die Reichenbachstraße wird auf Dauer zur autofreien Zone. Zunächst können die Straßen in Abschnitten testweise gesperrt werden und die Parkplätze in Bürgersteige, Grün-und Aufenthaltsflächen umfunktioniert werden.

Als Testfeld sollten die vom Stadtrat beschlossenen sog. „Sommerstraßen“ dienen, sodass die Straßen einige Wochen und Monate im Jahr gezielt autofrei gehalten werden und die Bewohner sich den Raum aneignen, erleben und ihn bespielen können.
Die Umsetzung soll die Erfahrungen von BürgerInnen anderer Viertel Münchens (beispielsweise der „neuen“ Fußgängerzone Sendlinger Straße) miteinbeziehen.

BEGRÜNDUNG
Das Gärtnerplatz Viertel ist derzeit ein stark verkehrsbelastetes Quartier. Dabei besitzen gerade einmal 10% der Bewohner ein eigenes Auto, das auf den Anliegerparkstreifen am Straßenrand abgestellt wird, das entspricht bei ca. 6000 Bewohnern ca. 600 Fahrzeugen. Diese privaten Fahrzeuge, die im Durchschnitt 96% der Zeit stehen, nehmen überdurchschnittlich viel Platz ein im Vergleich zum Rad- und Fußverkehr. Damit berauben sie der Mehrheit der Bewohner (90%) den öffentlichen Lebensraum zwischen den Häusern und die Möglichkeit des Aufenthaltes und sozialen Miteinanders.

Durch die vielen Cafes, Läden und Bars rings herum in den Straßen um den Gärtnerplatz, ist der Platz auf den schmalen Gehsteigen oft so eng, dass sich Bewohner, Besucher und Touristen nur gerade noch so durchquetschen können und beispielsweise kaum ein Durchkommen für Familien mit Kinderwägen möglich ist.
Die wichtige Verbindung vom Viktualienmarkt bis zur Isar, geführt über die Reichenbachstraße mit Unterbrechung durch den Gärtnerplatz, ist durch ein chaotisches und gedrängtes Bild von Menschenmassen und Autos gezeichnet. Für Besucher ist diese Verbindung kaum erkennbar.

Des weiteren stellt sich die subjektive Wahrnehmung der Verkehrsbelastung für die Anwohner problematisch dar, weil private PKWs, deren Fahrer nicht im Viertel wohnen unnötigerweise das Quartier durchfahren. Kein einziger dieser PKWs hält sich an die verordnete Geschwindigkeitsbegrenzung von 30km/h, stattdessen rasen die meisten mindestens mit 50km/h teilweise aber mit 60 – 70km/h durch die Straßen und nutzen den Gärtnerplatz als Show-Bühne. Sie handeln damit nicht nur verkehrswidrig und belästigen die Anwohner durch Lärm, sondern stellen eine Gefahr für Fußgänger und Fahrradfahrer da und insbesondere für Kinder une Alte Menschen die sich über die Straße bewegen.

Hinzu kommen die Lieferwägen, die täglich gezwungen sind in zweiter Reihe zu parken, sie versperren damit den Weg und zu führen zu unnötigen Staus.
Zusammenfassend werden durch die Schritte zur Forcierung autoreduzierte Siedlungsstrukturen lebenswerte Stadträume mit geringer Abhängigkeit vom privater PKW geschaffen, die einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Stadtentwicklung entsprechen. Durch die Reduktion des MIV im Quartier wird die Luft- und Lebensqualität verbessert.

Das Gärtnerplatzviertel ist von der Innenstadt zu Fuß oder mit dem Fahrrad gut erreichbar und hervorragend an ÖPNV angebunden. Gleichzeitig ist das Viertel sehr bekannt und kann daher als Modellquartier dienen.